PRESSEARTIKEL: DIE PRESSE 09.06.2006
AFFÄRE HAIDER: WIE DETEKTIVE WIRKLICH ARBEITEN
VON KLAUS STÖGER UND MIRJAM MARITS (Die Presse) 09.06.2006
So wie in Hollywood ermitteln Berufs-Detektive nur sehr selten.
WIEN. Und wieder eine Spitzelaffäre: Der Kärntner Detektiv Dietmar Guggenbichler soll von der FPÖ beauftragt worden sein, das Privatleben von Kärntens Landeshauptmanns Jörg Haider auszuspionieren. Wer sind diese privaten "Schnüffler." Wie Raymond Chandlers Philip Marlowe? Oder wenigstens wie Josef Matula in "Ein Fall für zwei?" Weder noch.
In Österreich sind immerhin rund 300 Detektive berechtigt, dieses "Gewerbe" auszuüben. Sie haben sogar eine eigene Interessensvertretung: der Österreichische Detektiv-Verband (ÖDV) mit rund 70 Mitgliedern. Aber so wie TV-Detektiv und Privat-Polizist Matula ermittle, erinnere eher an ein "Märchen", erklärt ÖDV-Präsident Werner Machacek. "Das entspricht in den meisten Bereichen überhaupt nicht dem Bild unserer Arbeit."
In den heimischen Detektivbüros ist Spezialisierung angesagt. Vor allem für Aufträge im High-Tech-Bereich oder in der Wirtschaft bedarf es Experten. "Die Hälfte unserer Aufträge kommt aus der Wirtschaft", sagt der Linzer Detektiv Andreas Preining. "Firmen beauftragen uns etwa mit der Suche nach Beweismitteln für Verhandlungen oder lassen Krankenstände von Mitarbeitern überprüfen."
Im Laufe der Jahre sei auch die Ausrüstung für die Detektivbüros immer professioneller geworden. "Eine kleine Ein-Mann-Detektei, von denen es in Österreich auch noch welche gibt, kann hier natürlich schwer mithalten", berichtet Machacek. Neben den Spezialisierungen gibt es aber auch nach wie vor die "klassischen Aufträge" wie Observationen von Ehepartnern, die Suche nach vermissten Personen oder die Arbeit als Kaufhaus-Detektiv.
Zwar seien Beschattungen von Lebens- und Ehepartnern heute "nicht mehr so ein Thema wie früher", aber doch noch klassisches Aufgabengebiet für Detektive, erklärt Machacek. Das Stöbern im Privatleben von Politikern gehöre aber nicht zu den idealen Aufträgen von Detektiven, so Martin Ulm von der Wiener Detektivagentur Ulm & Grabner. "Das würden wir niemals tun."
Das bekannte Klischeebild des stundenlangen Wartens in kalten Autos auf das Auftauchen der Zielperson stehe zwar auch noch auf der Tagesordnung. Aber: "Ein großer Teil unserer Arbeit wird im Büro erledigt", meint Ulm. "Das Internet hat unsere Arbeit in vielen Bereichen erleichtert, etwa bei der Suche nach vermissten Personen im Ausland." Das Aufspüren Vermisster ist eines der Spezialgebiete der Detektei Agentur Pöchhacker. "Ich habe schon Kinder, die von einem Elternteil ins Ausland entführt wurden, nach Österreich geholt", berichtet Walter Pöchhacker. "Dafür wurde ich in meiner Abwesenheit in Kairo zu zehn Jahren Haft verurteilt."
Nicht immer verläuft der typische Alltag eines Detektivs so gefährlich. Viele von Pöchhackers Mitarbeitern spüren in Kaufhäusern Ladendieben nach oder sorgen in Hotels für Sicherheit. Ein Einsatz kostet zwischen 40 und 60 Euro pro Stunde, bei gefährlichen Aufgaben mehr. "Auch eine Beschattung kommt teurer, weil man selten mit nur einem Detektiv auskommt."
Der Beruf ist besonders für Quereinsteiger geeignet. "In unsere Kurse kommen immer wieder Akademiker der verschiedensten Studienrichtungen", erklärt Machacek. Die "Grundausbildung" zum Berufsdetektiv-Assistenten erfolgt in fünf Modulen innerhalb eines Jahres.
Quelle: Die Presse, 9.6.2006
http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=c&ressort=w&id=563911
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